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2021 – Klassik an der Donau https://www.klassik-an-der-donau.de Eine Initiative der Medeingruppe Attenkofer Wed, 22 Mar 2023 14:27:33 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1.3 https://www.klassik-an-der-donau.de/wp-content/uploads/2023/03/facivon-150x150.png 2021 – Klassik an der Donau https://www.klassik-an-der-donau.de 32 32 Klasse Klassik https://www.klassik-an-der-donau.de/klasse-klassik/ Wed, 04 Aug 2021 13:05:31 +0000 https://www.klassik-an-der-donau.de/?p=828
Klas­sik an der Donau star­te­te die­ses Jahr als Open Air mit in­ter­na­tio­na­len Stars
Alles etwas anders, aber wieder klasse Klassik gab es beim Auftakt am Mittwochabend bei Klassik an der Donau. Nach der Corona-Zwangspause im vergangenen Jahr konnten sich Klassikfreunde heuer wieder auf einen entspannten Sommerabend voll wunderbarer Musik freuen. Mit den Mannheimer Philharmonikern und ihrem Dirigenten Boian Videnoff gastiert ein junges und innovatives Orchester in Straubing. Heute folgt der zweite Konzertabend. Wegen Corona-Abstands-Regeln wird an zwei Abenden gespielt. Witterungsbedingt weicht man heute aber in die Stadthalle aus. Da dort Corona auch die Regeln vorgibt, wird zweimal gespielt, einmal um 17 Uhr und ein weiteres Mal um 20 Uhr. Kartenbesitzer, die sich noch nicht telefonisch gemeldet haben, können unter der Telefonnummer 09421/940 6700 ihren Uhrzeitwunsch angeben (wir berichteten). Das diesjährige Programm besteht aus Werken von Martucci, Mozart und Mahler. Sopranistin Sarah Traubel sowie der international gefeierte Pianist Sergei Babayan bereicherten das Programm. Das Wetter meinte es trotz angebrachter Jacken gut mit den Zuhörern, die das anspruchsvolle Programm im Open-Air-Ambiente genossen.

Dass die Profis mit einer halben Stunde Verspätung anfingen, der Flügel musste sich noch an die Temperatur anpassen, nahmen die Klassik-Fans gelassen. Verleger Prof. Martin Balle lud als Gastgeber dafür alle auf ein Glas Wein ein und bedankte sich bei der Stadt für die gute Zusammenarbeit und vor allem bei Tagblatt-Marketingleiterin Claudia Karl-Fischer und ihrem Team für die gelungene Organisation. Kein Wunsch blieb den Musikern unerfüllt. Backstage gab es zum Beispiel – kurzfristig gewünscht – zur Bühne einen „grünen Teppich“, passend zur Stadt der nachwachsenden Rohstoffe. Sichtlich erfreut und entspannt genoss Sergei Babayan, einer der großen Pianisten unserer Zeit, die ungewöhnliche Atmosphäre eines Open Airs. Die Anhänger von Klassik an der Donau, die teils jedes Mal seit 2008 mit dabei sind, trugen zwar ungewohnt keine Abendkleider oder Anzüge, sondern warme Fleecejacken. Das Urteil war trotzdem in der Pause und am Ende einstimmig: „Es war wundervoll.“ Das große Programm ging in die Nacht über und endete vielbeklatscht.
Von Ulli Scharrer
Solist Sergei Babayan versank im 1. Satz von Mozarts Klavierkonzert B-Dur Nr.27.
Sarah Traubel präsentiert sich in ,,Klassik an der Donau'' mit kraftvoller, aber auch durchsichtiger Stimme und ausgezeichneter Artikulation. - Prof. Dr. Martin Balle begrüßte gewohnt schwungvoll die Gäste.
Dirigent Boian Videnoff und seine Mannheimer Philharmoniker.
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Ein großer und zwei (noch) kleine Klavierspieler https://www.klassik-an-der-donau.de/ein-grosser-und-zwei-noch-kleine-klavierspieler/ Wed, 04 Aug 2021 13:02:35 +0000 https://www.klassik-an-der-donau.de/?p=822
Sergei Babayan, einer der großen Pianisten unserer Zeit, spielt bei Klassik an der Donau. Zwei große junge (Tasten-)Fans hat er am Anton-Bruckner-Gymnasium, die 17-jährigen Zwillingsbrüder Peter und Paul Distler. Davon erfuhr Babayan und schaute am gestrigen Donnerstag bei ihnen in der Schule vorbei – für ein Vorspielen mit konstruktivem Gespräch über ihr Lieblingsthema: Klavierspielen.
Neue Impulse erhofften sich die beiden, die von ihrem Klavierlehrer Andreas Sobczyk groß gelobt werden. Ein bisschen Nervosität war dabei, als der Meister zum Vorspiel aufforderte: „Play what you want!“ Gespannt lauschte Babayan im großen Musiksaal des ABGs erst dem einen, dann dem anderen Bruder und wünschte sich auch immer wieder einen anderen Künstler: „Play Chopin now!“ Dann gab der große Pianist noch Tipps, was im Detail noch verbessert werden könnte, denn vor dem Meister kommt das Üben. Er spielte etwas vor und trommelte auf das Klavier, um zu unterstreichen, auf was es ihm ankomme. Er erkannte aber auch „very nice moments“ im Spiel der Schüler und brachte auch Smartphones ins Spiel: Wer sich beim Klavierspielen selbst aufnimmt, kann seine Fortschritte damit selber überprüfen. Alle zwei Monate dürfen Peter und Paul nun Babayan eine Aufnahme schicken und er gibt ihnen Feedback. Beim Zeitungsfoto ließ Babayan den Schülern den Vortritt. Und heute sind die beiden Musikschüler vom Tagblatt in das Klassik an der Donau Konzert eingeladen.
Von Ulli Scharrer
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Verzaubernde Momente und intensive Wiedergabe https://www.klassik-an-der-donau.de/verzaubernde-momente-und-intensive-wiedergabe/ Wed, 04 Aug 2021 12:54:26 +0000 https://www.klassik-an-der-donau.de/?p=814
Die Fülle der Eindrücke sowohl für das Ohr als auch für das Auge zieht die Besucher bei den „Klassik an der Donau“-Konzerten stets in den Bann: Die Gestik des Dirigenten, die verschiedenen Einsätze der Orchesterinstrumente, die akustisch wie optisch hervorstechenden Solisten. Bei einer Open-Air-Veranstaltung gehört jedoch der (mitunter sorgenvolle) Blick zum Himmel dazu, gerade wenn unerwartet dunkle Wolkenfronten vorüberziehen.
Diese wirkten jedoch selten so passend wie während der atemberaubend dramatischen Durchführung des 1. Satzes von Mozarts Klavierkonzert B-Dur Nr. 27, in der immer wieder Moll-Eintrübungen die positive Grundstimmung verschatten und die Musik genial-sprunghaft von Tonart zu Tonart wandert. Der Solist Sergei Babayan brachte die Ambivalenz dieses Werkes aus Mozarts letztem Lebensjahr 1791, in dem die Helligkeit der „Zauberflöte“, das Düstere des „Requiems“ und die melodische Meisterschaft des „Klarinettenkonzerts“ vereint sind, äußerst intensiv zum Ausdruck. Er genoss jede Phrase, ob melodisch schlicht oder virtuos komponiert, meißelte Läufe und Arpeggien glasklar heraus und zauberte unglaublich zarte Pianissimo-Effekte. Wunderbar entrückt wirkten die Solo-Kadenzen mit ihren „Versunkenheits-Episoden“ oder (im dritten Satz) mit dem bewegend-schlichten Liedzitat „Komm lieber Mai und mache“. Dezenter Pedalgebrauch und leichte Temponuancen verrieten, dass der armenisch-amerikanische Pianist auch durchaus romantische Gestaltungsmittel – in angemessenem Umfang – schätzt. Die tief emotionale Einstellung Babayans gegenüber Mozart, die bei der Aufführung zu spüren war, beschrieb er einmal so: „Im Moment des Sich-Verliebens passiert Unerklärliches. So ist es, wenn wir einem Stück Musik begegnen, das uns gefangen nimmt.“
Zartheit und Delikatesse
Zartheit und Delikatesse der Darbietung des Soloparts wurden (etwa im langsamen zweiten Satz) vom Orchester einfühlsam übernommen – in der Art eines „überspringenden Funkens“. Die Philharmoniker der Mozartstadt Mannheim begleiteten unter ihrem Gründer Boian Videnoff höchst engagiert, dezent und stilsicher. Das Tempo im Finale bewahrte seinen fröhlichen Charakter, ohne in hastigen Galopp auszuarten, und ermöglichte stets deutliche melodische Durchgestaltung.
Wie gesanglich Mozart seine Klavierpartien komponierte, zeigte sich besonders in der Konzertarie „Non temer, amato bene“ – in dieser tritt ein Solosopran in ein packendes Wechselspiel mit dem obligaten Klavier. Entstanden ist das Werk 1786 quasi als Liebeserklärung an die erste Susanna im „Figaro“, Nancy Storace. Sarah Traubel präsentierte sich in „Klassik an der Donau“ mit kraftvoller, aber auch durchsichtiger Stimme und ausgezeichneter Artikulation (etwa im rollenden „r“). Nach dem tastenden Rezitativ zu Beginn („Ch’io mi scordi di te?“), in dem die Sorge vor dem Verlust des geliebten Partners formuliert wird, setzt das Klavier wie zum Trost mit einer schlichten Melodie ein. Umgekehrt verriet das Klavier zu Beginn der Arie deutlicher als die Gesangsstimme, dass die beruhigenden Worte „non temer“ („ängstige dich nicht“) die eigene Besorgnis des lyrischen Ich nur bedingt kaschieren.
Die Dialoge von Sopran und Klavier waren durchgehend intensiv gestaltet – etwa bei den Seufzern zu „sospiri“ oder in den sich verlierenden und gegenseitig umschlingenden Figurationen bei „l´alma mia mancando va“ („die Sinne schwinden mir“). Die renommierte Mannheimer Sopranistin Sarah Traubel ist übrigens mit diesem Werk Mozarts tief verbunden, wie sogar ihr Autokennzeichen verrät (das die Werknummer „KV 505“ enthält!). Eröffnet wurde das „Klassik an der Donau“-Open Air mit dem kantablen, leicht melancholisch angehauchten „Notturno“ des italienischen Spätromantikers Giuseppe Martucci.
„Umarmung“ um Mozart
Gemeinsam mit der 4. Symphonie Mahlers in der zweiten Programmhälfte entstand so eine Art „Umarmung“ um die Mozart-Werke herum, wie es der Dirigent Boian Videnoff formulierte. In dem duftig-leicht vorgetragen Orchester-„Notturno“ („Nachtstück“) zeigten sich einerseits die Qualitäten der jungen, stets hochkonzentrierten Mannheimer Philharmoniker, zum Beispiel der ausdrucksvolle Streicherklang unter der Führung der klanglich sehr ansprechenden 1. Violinen; andererseits machten die fast stets durchlaufenden Synkopen die Schwierigkeiten der Open-Air-Situation deutlich, in der die verschiedenen Orchestergruppen nicht so leicht wie in einem geeigneten Saal miteinander kommunizieren können. Zu den Tücken des Ortes gehörte leider auch, dass manche Generalpause in der abschließenden Sinfonie durch aufheulendes, von der Straße herüberklingendes Motorengeräusch überdeckt wurde.
Gustav Mahler komponierte aufgrund seiner anstrengenden Dirigententätigkeit hauptsächlich in den Sommermonaten in der Abgeschiedenheit der Natur. Dies ist seiner vierten Symphonie auch anzuhören, in der aber wie stets bei Mahler auch die Komplexität des Lebens in der modernen Welt angesprochen wird. Die Leichtigkeit und die klassizistischen Züge des Werkes sind nämlich bewusst im Grenzbereich zu Einfachheit, Einfalt, Ironie und sogar Verzerrung gehalten. Diese Ambiguität kam in der Interpretation der Mannheimer Philharmoniker unter Videnoff deutlich zum Vorschein. Für den ersten Satz mit dem markanten, später wiederkehrenden „Narrenschellen“-Beginn wählte der Dirigent ein fließendes Tempo, das zwar Zugkraft entfaltete; die biedermeierliche Behaglichkeit der Themen (vgl. die Partituranweisung des Komponisten „bedächtig, nicht eilen“) kam dadurch jedoch nicht vollständig zum Tragen. Auch der hymnischen Erhabenheit des dritten Satzes („Ruhevoll“) hätte ein noch stärkeres Auskosten der Langsamkeit gutgetan – wie es dann auch beim elegischen Oboensolo in Moll zelebriert wurde.
„Das himmlische Leben“
Doch das Rubato im Hauptthema des Kopfsatzes, die Spielfreude bei dem bewusst an Kitsch grenzenden Cello-Seitenthema, der „wienerische“ Schmelz an manchen Stellen oder die Leidenschaftlichkeit etwa vor dem Höhepunkt im 3. Satz ließen das Mahler’sche Universum höchst lebendig erstehen. Plastisch herausgestellt wurden auch die grellen, grotesken Elemente im 1. Satz oder das Gespenstische des Scherzos (mit dem exaltiert-skurrilen Solo der höher gestimmten „Totenfiedel“) – ebenso wie die sich bis zur Raserei steigernden Tempowechsel am Ende des 3. Satzes, nach denen die Hörner unvermittelt zur Umkehr und Beruhigung mahnen.
Ohne große Generalpause folgte dann das (für eine große Symphonie im Jahr 1900) unerwartet schlichte Finale: Das Lied „das himmlische Leben“ über einen Text aus der romantischen Gedichtsammlung „Des Knaben Wunderhorn“. Noch während der Orchester-Einleitung mit dem Thema in der Klarinette betrat Sarah Traubel wieder die Bühne und intonierte den so leichtfüßigen, volksliedartigen Beginn „wir genießen die himmlischen Freuden“. Die idyllische wie auch naive Szenerie eines himmlischen Schlaraffenlandes wurde vom Sopran mit großer Lebendigkeit gestaltet und vom Orchester äußerst transparent begleitet. Nur die Klangfarbe des E-Pianos, das aufgrund der verkleinerten Besetzung einige Bläser ersetzte, stellte sich als nicht ganz ideal heraus – etwa bei den parallelverschobenen Akkorden der Stelle „Sankt Peter im Himmel schaut zu“. Das Ende der Symphonie „entschläft“ sanft mit den tiefsten Tönen von Harfe und Kontrabass, anders als das letzte Textwort „erwacht“ erwarten ließe. Nach einem Moment des Staunens über dieses leise Verklingen löste sich die Spannung im Publikum, das begeistert applaudierte. Eine Stelle aus dem romantischen Text von Brentano und Arnim im Finalsatz trifft besonders den Zauber der Mahler’schen Musik und ihrer berührenden Wiedergabe bei „Klassik an der Donau“: „Kein Musik ist ja nicht auf Erden, die uns’rer verglichen kann werden.“
Von Dr. Bernhard Stoffels
Solist Sergei Babayan versank im 1. Satz von Mozarts Klavierkonzert B-Dur Nr.27.
Sarah Traubel präsentiert sich in ,,Klassik an der Donau'' mit kraftvoller, aber auch durchsichtiger Stimme und ausgezeichneter Artikulation. - Prof. Dr. Martin Balle begrüßte gewohnt schwungvoll die Gäste.
Dirigent Boian Videnoff und seine Mannheimer Philharmoniker.
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Im Gespräch mit Boian Videnoff https://www.klassik-an-der-donau.de/im-gespraech-mit-boian-videnoff/ Thu, 15 Jul 2021 13:22:04 +0000 https://www.klassik-an-der-donau.de/?p=846
Boian Vi­de­noff di­ri­giert die Mann­hei­mer Phil­har­mo­ni­ker bei Klas­sik an der Donau
Herr Videnoff, Sie haben 2009 die Mannheimer Philharmoniker gegründet. Was hat Sie dazu veranlasst?
Boian Videnoff: Ich war damals selbst noch Student und wollte ein Orchester für junge Musiker ins Leben rufen. Es gibt sehr viele herausragende Talente, die beim Vorspielen für eine Stelle in einem Orchester nicht genommen werden, weil es einfach an der Erfahrung fehlt. Man muss bei so einem Vorspiel perfekt abliefern, da ist die Anspannung natürlich groß. Doch wie soll man Erfahrungen sammeln können, wenn man nicht die Gelegenheit bekommt, in einem Orchester mitzuwirken? Also kam ich auf die Idee, selbst eines zu gründen.
Hat sich Ihre Vorstellung seitdem erfüllt? Was ist das Besondere an dem Orchester?
Videnoff: Voll und ganz, die Mannheimer Philharmoniker sind eine Art Inkubator. Die Musiker wachsen gemeinsam an ihrer Aufgabe und haben dann die nötige Reife, um sich bei einem großen Orchester zu bewerben. Viele ehemalige Kollegen haben inzwischen Top-Stellen bekommen, teilweise auf internationaler Ebene. Genauso war es gedacht. Das Niveau an den Musikhochschulen ist sehr hoch, viel höher als noch vor einigen Jahren. Es gibt neben unserem Orchester nur noch eines in Miami, das nach diesem Prinzip der Talentförderung arbeitet. Die Idee kommt auch unter den Profimusikern gut an, denn wir haben immer wieder die Möglichkeit, mit Solisten von Weltrang zu arbeiten. Sie schätzen die Spielfreude sowie die frischen Interpretationen unserer Musiker. Es macht sehr viel Freude zu sehen, was entstehen kann, wenn alle an einem Strang ziehen.
Wie hat sich Corona auf die Mannheimer Philharmoniker ausgewirkt?
Videnoff: Natürlich tragisch, da ist eine Katastrophe über uns alle hereingebrochen. Die Musiker werden pro Projekt bezahlt und sind nicht fest angestellt. Das hat mit unserer Finanzierungsstruktur als freies Sinfonieorchester zu tun. Das vergangene Jahr war für junge Künstler ohne festes Einkommen wirklich sehr schwierig.
Wie ist der Terminplan in diesem Jahr gefüllt?
Videnoff: Es geht auf jeden Fall aufwärts. Die Bundesregierung hat uns Kulturschaffenden ein gutes Signal gegeben, indem sie einen Sonderfonds eingerichtet hat. Ansonsten müsste man als Veranstalter ein großes Risiko auf sich nehmen. Das macht die Planungen jetzt etwas leichter.
Wählen Sie eigentlich ihre Solisten immer selbst aus? Was müssen Sie tun, damit sich Top-Solisten für Sie interessieren?
Videnoff: Wir haben das große Glück, dass wir viele namhafte Solisten inzwischen zu unseren Freunden zählen dürfen. Sie schätzen die Aufgeschlossenheit unserer jungen Musiker, alles aufzunehmen wie ein Schwamm und lernwillig zu sein. Sergei Babayan zum Beispiel, der ja auch in Straubing dabei ist, hat schon oft bei uns gespielt und kommt immer wieder gerne. Das freut mich natürlich sehr. Mit jedem der Auftritte wächst auch das Profil des Orchesters.
Wie würden Sie das Programm beschreiben, das bei Klassik an der Donau zu Gehör kommt?
Videnoff: Es ist ein sehr sommerliches Programm, das perfekt zu einer Open-Air-Veranstaltung passt. Das Lied am Ende der Mahler-Sinfonie, das Sopranistin Sarah Traubel singt, ist etwas ganz Besonderes. Auch das Martucci-Notturno am Anfang des Programms ist malerisch und hat zudem etwas von Mahler. Die beiden Werke sind wie eine Umarmung für die Mozart-Stücke, die wir aufführen. Die Kombination Pianist und Sängerin passt wunderbar. Ich würde sagen, das Programm geht unter die Haut.
Was halten Sie vom Ansatz des Festivals, klassische Musik für alle zugänglich zu machen?
Videnoff: Das ist extrem wichtig und genau mein Credo! Wir haben vor Corona in Mannheim Pop-up-Konzerte an verschiedenen Orten veranstaltet, um die Musik zu den Menschen zu bringen. Man muss denjenigen, die noch nie mit Klassik in Berührung gekommen sind, eine Brücke bauen. Wenn sie merken, dass die Musik sie gefühlsmäßig berührt, kommen sie auch in die Konzertsäle.
Sie werden zwischen den Konzertterminen zwei Tage lang in Straubing übernachten. Was haben Sie vor?
Traubel: Wir wollen schöne Tage in Straubing verbringen. Es ist immer lustig, wenn eine größere Truppe gemeinsam unterwegs ist. Wir werden zusammen musizieren und uns die Stadt ansehen. Wir freuen uns auf zwei schöne Konzertabende in Straubing!
Interview: Karola Decker
Boian Videnoff dirigiert die Mannheimer Philharmoniker bei Klassik an der Donau
Boian Videnoff (Foto: Daniel Wetzel)
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Im Gespräch mit Sopranistin Sarah Traubel https://www.klassik-an-der-donau.de/im-gespraech-mit-sopranistin-sarah-traubel/ Thu, 15 Jul 2021 13:16:21 +0000 https://www.klassik-an-der-donau.de/?p=841
Sarah Traubel erregte internationale Aufmerksamkeit, als sie am Opernhaus Zürich in einer Gala-Vorstellung von Mozarts „Entführung aus dem Serail“ kurzfristig für Eva Mei als Konstanze einsprang. Damit legte sie den Grundstein für ihre erfolgreiche Karriere als Sängerin. Sie ist die Großnichte der legendären Metropolitan Opera-Diva Helen Traubel und des Dirigenten Günter Wand und begann ihre Laufbahn im Alter von 17 Jahren im heimatlichen Mannheim. Anschließend absolvierte sie ihr Gesangsstudium an der Universität der Künste in Berlin, am Salzburger Mozarteum und an der Manhattan School of Music in New York.
Frau Traubel, Sie werden oft in einem Atemzug mit Ihrer Großtante Helen Traubel genannt. Was empfinden Sie dabei?
Sarah Traubel: Stolz! Helen Traubel war einer der größten Stars in der Geschichte der Metropolitan Opera und eine der wichtigsten Wagner-Sängerinnen ihrer Zeit. Und sie war eine ziemlich witzige Frau, sie hat in Hollywood-Filmen gespielt, in Nachtclubs Jazz gesungen, Krimis geschrieben. Ich denke oft an sie.
Was ist für Sie das Wichtigste am Singen?
Traubel: Es geht immer darum, die Zuhörer zu berühren. Ob in der Oper oder im Konzert, die menschliche Stimme ist das Instrument, mit dem am unmittelbarsten Emotion ausgedrückt und im Hörer erzeugt werden kann. Ich empfinde es als großes Geschenk, dass ich das auf der Bühne tun darf.
Sie singen bei Klassik an der Donau das Sopransolo in Mahlers Sinfonie Nr. 4 sowie die Konzertarie „Ch’io mi scordi di te?“ von Mozart. Was bedeuten Ihnen diese Werke?
Traubel: Mozart ist der zentrale Komponist in meinem Leben. Diese wunderschöne Konzertarie ist mir so nah, dass ich die Werkbezeichnung KV 505 sogar als Nummernschild an meinem Auto habe! Dass in Straubing der Jahrhundertpianist Sergei Babayan den scheinbar kleinen, aber hochemotionalen Klavierpart spielt, den Mozart ungewöhnlicherweise hier hineingeschrieben hat, macht mich unheimlich glücklich. Diese berühmte Arie hat Mozart für eine seiner Lieblingssängerinnen geschrieben, die er am Klavier selbst begleitet hat. In der ungewöhnlichen Einbindung des Klavierparts hat man eine Art Liebeserklärung des Komponisten an die Sängerin gesehen. Mich interessiert vor allem das musikalische Drama, das hier auf engstem Raum entfaltet wird. Das Lied vom himmlischen Leben, mit dem dann die Mahler-Sinfonie endet, ist der Gesang eines Engels, ein fast expressionistischer Text aus „Des Knaben Wunderhorn“. Wir dürfen einen Blick ins Paradies werfen, aber es geht auch geheimnisvoll und dunkel zu. Für mich ist es ein großes Glück, dieses wundervolle Stück zusammen mit Mozart singen zu können, der für Mahler gerade in seiner Vierten Sinfonie so große Bedeutung hatte.
Corona hat Kulturschaffende besonders hart getroffen. Gibt es irgendetwas Positives, dass Sie aus der Zeit des Lockdowns mitnehmen können?
Traubel: Ich habe viel Zeit mit meiner Familie verbringen können, bin einigen wenigen Freunden noch nähergekommen und mir auch noch bewusster geworden, wie privilegiert mein Leben in vielerlei Hinsicht ist. Wenn ich wieder Musik machen kann, dann auch als Dankeschön an die vielen tausend Menschen, die riesige Opfer gebracht haben, um uns durch diese schreckliche Zeit zu bringen. Aber die Folgen bleiben auch für uns Künstler hart und werden noch lange zu spüren sein.
Inzwischen nehmen die Veranstaltungen wieder Fahrt auf. Wie sieht Ihr Terminkalender für die zweite Jahreshälfte aus?
Traubel: Ich werde noch in der Berliner Philharmonie singen dürfen, dann einige Konzerte und Opernvorstellungen in Amerika. Auf dem Programm steht auch noch eine CD-Produktion und Konzerte mit den vier letzten Liedern von Richard Strauss.
Gibt es eine Bühne, die Sie besonders lieben?
Traubel: Immer die nächste, auf der ich auftreten darf! Aber es gibt natürlich Bühnen, mit denen ich wichtige Abschnitte meines Lebens verbinde: das wunderschöne Opernhaus Zürich vielleicht besonders, ebenso Stationen meiner Ausbildung in Salzburg und New York.
Können Sie jungen Sängerinnen noch guten Gewissens dazu raten, diesen Beruf zu ergreifen? Was würden Sie ihnen mit auf den Weg geben?
Traubel: Wer Kunst machen muss, einfach weil sie diesen Drang in einem auslöst, der findet einen Weg. Es stimmt, die Chancen werden in den nächsten Jahren nicht wachsen. Aber herausragende Begabungen werden ihren Weg auch in Zukunft finden.
Was hilft Ihnen persönlich dabei, kreativ zu bleiben?
Traubel: Ich finde es wichtig, neugierig zu bleiben, sich immer neu mit dem vertrauten Repertoire, aber auch neuen Stücken auseinanderzusetzen. Wenn man immer das Gleiche macht, wird aus Kunst am Ende Kitsch.
Interview: Karola Decker
Ein Blick ins Paradies
Sarah Traubel (Foto: Harald Hoffmann)
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Verbeugung vor Mozart https://www.klassik-an-der-donau.de/verbeugung-vor-mozart/ Thu, 15 Jul 2021 13:09:31 +0000 https://www.klassik-an-der-donau.de/?p=833
Ver­beu­gung vor Mo­zart - Mit Ser­gei Ba­ba­y­an gas­tiert ein Star der Klas­sik-Szene in Strau­bing
Herr Babayan, bei Klassik an der Donau übernehmen Sie den Solopart im Klavierkonzert Nr. 27 in B-Dur von Mozart. Welchen Bezug haben Sie zu diesem Werk und zu Mozart im Allgemeinen?
Sergei Babayan: Mozart und Bach sind die Grundpfeiler meiner musikalischen Existenz. Dieses letzte Klavierkonzert Mozarts ist für mich sehr besonders: nicht, weil es sein letztes war. Die Besonderheit dieses Meisterwerks zeigt sich vielmehr, wenn der Komponist im ersten Satz von Tonart zu Tonart wandert, als wäre das die natürlichste Sache der Welt. In einem einzigen Atemzug ändert sich immer wieder die Stimmung. Ich stehe jedes Mal wieder fassungslos vor diesem Genie. Als habe Mozart keine Sekunde nachdenken müssen, als sei ihm all das direkt aus dem Herzen geflossen. Unfassbar.
Sie sind in Armenien aufgewachsen und leben heute in Amerika. Was fließt von den beiden Kulturen in Ihre Musik mit ein?
Babayan: Meine Kindheit und Jugend in Armenien haben mich als Musiker und Mensch geprägt. Es sind die Einflüsse der Volkslieder, die Kirchengesänge meiner Heimat, die ich mitgenommen habe, als ich mein Studium in Moskau absolvierte. Die russische Klavierschule hat mich dann tief beeinflusst. Dass ich später nach Amerika gekommen bin, war eher ein Zufall. Ich verdanke dem Land viel, nicht zuletzt die Hoffnung, mich als Künstler in Freiheit entwickeln zu können – eine nach der Sowjetunion für mich entscheidende Erfahrung. Aber viele der für mich wichtigen musikalischen Begegnungen dort waren die mit deutscher Musik, mit europäischen Traditionen.
Sie wurden von der Kritik schon mehrmals als Genie bezeichnet: Was denkt man sich, wenn man so etwas über sich selbst liest?
Babayan: Ich kann das nicht ernst nehmen. Und hoffe sehr, dass auch sonst niemand das tut. Oft habe ich Zweifel, wenn ich etwas vorbereite, und quäle mich mit der Frage, ob ich dies oder jenes überhaupt spielen darf, ob ich einem Werk genüge. Bach war ein Genie, Mozart war ein Genie. Ich spiele ihre Werke in Demut.
Wie gehen Sie vor, wenn Sie ein Stück einstudieren? Wie viel Zeit verwenden Sie für die Proben?
Babayan: Wie verliebt man sich? Man kann das nicht beschreiben und nicht analysieren. Wenn man Glück hat, ist im Nachhinein vielleicht erklärbar, warum es dazu gekommen ist. Aber im Moment des Sich-Verliebens passiert Unerklärliches. So ist es, wenn wir einem Stück Musik begegnen, das uns gefangen nimmt. Die Detailarbeit folgt später, wir sehen erst das große Bild, dann kommt das Feilen an den Einzelheiten. Und ich bin sicher einer, der viel feilt, sehr viel.
Was ist Ihnen wichtiger, perfekt zu spielen oder die Zuhörer zu berühren?
Babayan: Im Idealfall kommt beides zusammen. Wenn ich einem Kunstwerk mit Achtung begegne wie einem Menschen und dann spreche ich seinen Namen falsch aus und sage Franz statt Hans, dann stört ihn das und ich kann nicht sagen: ‚Das ist doch egal!‘ Es lenkt ab, wenn falsche Noten gespielt werden. Aber natürlich kommt es am Ende nur darauf an, was der Zuhörer empfindet. Ihn zu berühren, ist die wichtigste Aufgabe des Künstlers.
Sie haben viele Schüler. Worauf legen Sie beim Unterricht Wert?
Babayan: Wie bereitet man einen jungen Musiker auf ein Leben als Künstler vor? Als Lehrer ist mir wichtig, die Persönlichkeit eines jungen Musikers zu verstehen und seine musikalischen und technischen Schwächen zu finden. Und genau daran zu arbeiten. Wer ein wunderbarer Chopin-Interpret ist, aber Beethoven nicht so gut spielen kann, mit dem werde ich an Beethoven arbeiten. Und das Aufregende daran ist: Am Ende entsteht daraus guter Beethoven, und der Chopin wird gleichzeitig noch besser.
Interview: Karola Decker
Im Gespräch mit Sergei Babayan
Sergei Babayan (Foto: Marco Borggreve)
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