Brückenschlag in eine magische Welt – Im Gespräch mit Dirigent Christian Schulz

Herr Schulz, Sie sind heuer zum zweiten Mal mit dem Ambassade Orchester, dem großen Ensemble der Wiener Symphoniker, in Straubing zu Gast. Was verbinden Sie mit diesem Termin Ende Juni?
Christian Schulz: Freude auf den Sommer! Unser Auftritt im vergangenen Jahr war für uns ein richtiges Highlight. Ich habe mich gefühlt wie bei einem Heimspiel, die Stimmung und das Zusammenwirken mit dem Publikum waren einfach toll. Ich hoffe, das wird dieses Jahr wieder genauso.

 

Wie bereiten Sie sich konkret auf das Konzert vor?
Die Vorbereitung läuft in Etappen. Musikalische Details werden erst kurz vor dem Konzert erarbeitet. Zuvor befasst man sich nochmal eingehend mit den Stücken. Sie sind ja nicht neu für mich, die Dvorak-Symphonie zum Beispiel habe ich schon oft dirigiert.

 

Bizet, Rachmaninow, Dvorak – auf welchen Nenner lassen sich diese drei Komponisten bringen?
Für mich steht die Dvorak-Symphonie im Mittelpunkt. „Aus der Neuen Welt" würde ich deshalb auch als Motto des Abends definieren. Der Blick ist nach vorne gerichtet, Dvorak symbolisiert den Aufbruch: Das galt im Entstehungsjahr 1893 ebenso wie noch heute, wo die Welt zu einem globalen Dorf zusammenwächst.

 

Wie würden sie das Besondere am Ambassade Orchester beschreiben?
Auch zum Orchester passt das Thema „Neue Welt" wunderbar. Unser Repertoire beinhaltet sehr viel Zeitgenössisches und Crossover. Wir musizieren ohne Scheuklappen und sind offen für jede Stilrichtung. Diesbezüglich deckt sich die Philosophie unseres Orchesters hervorragend mit dem Programm bei Klassik an der Donau. Wir wollen Kunst lebendig machen und nicht im Museum enden.

 

Sie komponieren auch selbst. Welche Stilrichtung favorisieren Sie dabei?
Da will ich mich gar nicht festlegen. Ich habe zum Beispiel eine Kinderoper geschrieben, die im Herbst in Oberösterreich uraufgeführt wurde. In meinem Kopf geistern aber noch viele weitere Ideen herum. Durch meine zahlreichen Auslandsaufenthalte werde ich ständig inspiriert, vor allem die orientalischen Länder sind für mich eine schier unerschöpfliche Quelle.

 

Geht es Ihnen bei der Zusammenarbeit mit dem Orchester vorrangig um technische Aspekte? Oder entwickelt man als Dirigent zum Beispiel auch Bilder, um die Musiker zu inspirieren?
Bilder sind sicherlich hilfreich, wenn die Stimmung eines Stückes mal nicht so rüberkommt, wie man sie selbst im Kopf hat. Ich richte mich da ganz nach der Tagesform der Musiker. Das sind alles top ausgebildete Leute, technisch muss ich denen nichts mehr beibringen. Ich fühle mich eher wie ein Regisseur: Zum Schluss sollte alles wie aus einem Guss klingen.

 

Welche Momente erfüllen Sie in Ihrem Berufsleben am meisten?
Ich kann eigentlich den ganzen Prozess genießen. Vom Aussuchen des Stückes bis zum Auftritt selbst. Manchmal, nicht immer, entsteht eine ganz besondere Stimmung zwischen Orchester und Publikum. Für mich fühlt sich das an wie ein Brückenschlag in eine magische Welt. Es ist, als ob die Zeit stehen bleibt. Dann denke ich mir immer: Dafür mache ich das Ganze.

 

Ihr Terminkalender ist sicher dicht gefüllt. Welche Projekte stehen nach Klassik an der Donau noch an?
Die Bregenzer Festspiele, Konzerte in Wien und verschiedene Mozartprojekte. Dazwischen geht es mal für ein paar Tage nach Sofia in Bulgarien. Es wird nicht langweilig.

 

Interview: Karola Decker