Kinder mitten im Orchester

Wer so nahe ran darf an ein Symphonieorchester hört nicht nur, sondern erlebt die Musik auch hautnah.

Artikel vom 08. Juli 2013


Wunderschöne hautnahe Werkseinführung für und mit kleinen Klassik-Fans

Von su

 

Als Vater von drei Kindern und als Großvater hatte sich der sympathische Dirigent Wolfram Graul eine besondere Überraschung für die knapp 50 kleinen Klassik-Fans bei der Musikeinführung für Kinder am Samstagabend überlegt. Sie durften Orchester und Klang der Musik hautnah, also mittendrin, erleben: zwischen den Musikern.

 

Brav nahmen die Kinder und ihre Eltern, die schon lange vor dem Einlass vor der Stadthalle gewartet hatten, auf den Zuschauersitzen Platz. Von wegen, dachten sich die Mitglieder des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks. Dirigent Graul bat die Kinder vor die Bühne, weil er wissen wollte, wer schon aller ein Instrument spielt und welches. Die Schwingungen auf der Bühne, das pure Hören und die körperliche Macht der Instrumente, so, wie man sie nur mitten im Orchester erlebt, wollte er den Kindern zeigen. Er lud sie auf die Bühne ein und wie Sandkörner zwischen großen Steinen verteilten sich Mädchen und Buben zwischen Streichern und Bläsern, die alle noch leger in kurzen Hosen oder Sommerkleidern probten. Aber vorsicht, warnte der Chef des Klassik-Orchesters: "Neben den Pauken kann es laut werden!"

 

"Drei p", was bedeutet das?" Ganz einfach, dass zuerst besonders leise gespielt wird, erklärte er zum Beispiel und ließ die Geiger gleich den Beweis antreten. Dann ließ er die Streicher Pause machen, die Hörner, Trompeten und Klarinetten waren an der Reihe.

 

Die Kinder zu Füßen oder neben den Musikern blickten zuerst etwas skeptisch, dann zeigte sich oft ein verstehendes Grinsen: Ah! Das meint der Mann mit dem Taktstock, wenn er von der Kraft und der Macht der Musik spricht. Graul ließ seine Musiker die Balance ändern und mehr tiefe als hohe Töne spielen und erklärte: "Der Kontrabass gibt ganz viel her." Die diesjährige Werkseinführung für Kinder bei Klassik an der Donau war wunderschön entspannt, kindernah und mit dem Gang auf die Bühne wohl ein einmaliges Geschenk für die jungen Musikliebhaber, das kaum ein anderer Dirigent oder Orchester macht. "Wir sehen uns als Kollegen in ein paar Jahren wieder", verabschiedeten Dirigent Graul und die Musiker die Kinder.