Rezension: Zeitlos gültige Meisterwerke

Artikel vom 27. Juli 2010


Wiener Symphoniker gastieren in Straubing mit Mozart und Schubert

Von Werner Haas

 

Der Qualitätsmaßstab wurde in den Vorjahren von den Bamberger Symphonikern (Bayerische Staatsphilharmonie) und einer seltenen Mischung von Münchner Philharmonikern und Rundfunksinfonikern gesetzt. Dass die traditionsreichen Wiener Symphoniker, auch wenn es sich "nur" um deren junges, sogenanntes Ambassade-Ensemble handelt, daran anknüpfen können werden, konnte man voraussehen, zumal bei "ihrem" Mozart (Klarinettenkonzert) und Schubert (Große C-Dur-Symphonie).

 

Am Pult stand Andreas Pascal Heinzmann, der sich schon im letzten Jahr mit der heiklen Aufgabe der oben genannten "Orchesterfusion" bestens empfohlen hatte. Seine dirigentischen Fähigkeiten bewährten sich wiederum in der voll integrierenden Begleitung von Alexander Neubauer im Mozartkonzert wie der deutlichen Handschrift in der (anspruchsvollen) Gestaltung der Schubertsymphonie.Mozarts spätes, etwa acht Wochen vor seinem frühen Tod datierendes Klarinettenkonzert erklang bewegend abgeklärt, im langsamen Mittelsatz als reinster verinnerlichter Seelengesang, in den schnellen Teilen kammermusikalisch flüssig und duftig. Das war kein "Stromlinien-Mozart", auch kein "Ur-Mozart" wie ihn etwa das Concerto Köln zu praktizieren pflegt.

 

Alexander Neubauer als orchestereigener Solist ­ ein nicht zu unterschätzender Vorteil ­ glänzte mit herrlichem Klarinettenton bis ins feinste Pianissimo. Er trug in der einmal mehr als gut empfundenen Akustik der Straubinger Joseph-von-Fraunhofer-Halle bis in die letzten Stuhlreihen. Enthusiastischer Beifall schon vor der Pause. Dann Schuberts orchestrales opus maximum, das er zu seinen Lebzeiten tragischerweise nie ganz zu hören bekam. Rhythmisch straff, dynamisch differenziert vor allem in den leisen Abschnitten, aber auch brillant und farbenreich in den bewegteren. Insgesamt in klassischem Ebenmaß von innerer Ruhe. Natürlich wurden die Wiener mit den teils virtuosen Ansprüchen der Partitur bis hin zum furiosen Kehraus spielend fertig. Beeindruckend die Durchsichtigkeit im Gesamtklang ­ Ergebnis auch der (heute wieder trendigen) kleineren Streicherbesetzung. Schon Robert Schumann meinte, das Freilegen der Strukturen, besonders "das Leben selbst in jeder Faser und Farbe bis zur feinsten Tönung" sollte das Ziel jeder Interpretation sein.

 

Auch in diesem Jahr wieder ein klassisches Großereignis an der Donau, das beim Publikum größten Anklang fand. Vivant sequentes!